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 Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.

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ursula
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BeitragThema: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 10 Dez 2006 - 17:15

Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Hochzucht Betta Splendens

In ihrer natürlichen Umgebung sind Betta Splendens in der Regel Einzelgänger. Die Geschlechter treffen nur bei der Paarung länger aufeinander. Paarung und Aufzucht der Jungen erfolgt in den dicht bewachsenen, stehenden Gewässern asiatischer Regionen wie z.B. Thailands, Kabodschas, Vietnams oder Indonesiens. Betta Splendens gehören zu den schaumnestbauenden Fischen. Brutpflege und Nestbau obliegt in der Regel dem Männchen – währenddessen übernimmt das Weibchen die Verteidigung im weiteren Umfeld des Nestes gegen etwaige Fressfeinde. Bei einer geplanten Verpaarung in einem Zuchtbecken, sollten also diese Bedingungen mitberücksichtigt und so gut wie möglich nachgeahmt werden.

Einige Aspekte allerdings gilt es vor einer Verpaarung zu berücksichtigen. Eine Nachzucht ist bekanntermaßen sehr zeit- und platzaufwendig und sollte gut überlegt werden.
Für folgende Notwendigkeiten zur Zucht sollten räumliche Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen:Abgesehen von den Haltungsbecken der erwachsenen Tiere, muss Platz für ein Zuchtbecken zur Verfügung stehen zumeist ist ein 25L Becken am günstigsten – zusätzlich wäre es gut auch ein Aufzuchtbecken für die Jungfische zur Verfügung zu haben, wohin sie ab einem Alter von ca. 8 Wochen (je nach Wachstumsgeschwindigkeit) übersiedelt werden könnten – je nach Größe des Wurfes 60L (für in etwa 50-80 Jungfische) -200L (für ungefähr 200 Jungfische). Auch sollte die Möglichkeit für 2-3 Regale o.ä. bestehen, wo dann die Separierungs-Boxen à 3,5L für die Jungmännchen stehen könnten (konzipiert sollten diese auf insgesamt ca. 100 Stk. sein und erweiterbar falls notwendig) – die Raumtemperatur, wo diese Regale stehen, sollte mindestens 25-27°C betragen, um eine gleich bleibende Wassertemperatur von ca. 25°C gewährleisten zu können (mehr ist natürlich besser, max 30°C). Selbstverständlich gibt es auch andere Beheizungsmöglichkeiten, z.B. Heizmatten, bzw. Beheizung im Rahmen von Dripsystemen. Auch müsste man sich mit dem Gedanken anfreunden können für die Jungfische täglich Artemia zu züchten, aber auch Zuchtansätze für Essigaälchen und Mikrowürmchen machen sich bezahlt, detto müsste man in den Separierungsboxen alle 2 - 3 Tage einen gründlichen Wasserwechsel vornehmen (je nach Verschmutzung), was bei 100 Boxen schon mal so seine Zeit dauern kann!
Natürlich sollte auch vor der Verpaarung bereits eine Abgabemöglichkeit fix geklärt sein – denn selbstverständlich können die Jungfische nicht ewig in diesen Boxen bleiben und sollten sobald sie ca. 4cm groß sind, vernünftige Aquarien zur Verfügung gestellt bekommen, dies bedeutet für die meisten zu ihren neuen Besitzern transferiert werden. Rücksprache mit Zooläden oder/und privaten Interessenten sollte vorher gehalten werden, um verlängerte Wartezeiten für die Fische zu vermeiden – ab 4cm Körperlänge werden die Boxen schlicht und einfach zu klein für Jungfische und wären haltungstechnisch selbst bei derart häufigen Wasserwechseln nicht mehr vertretbar.

Sollten all diese Vorraussetzungen geschaffen sein, kann man mit den Vorbereitungen zur Verpaarung beginnen.

Die ausgewählten Fische sollten selbstverständlich gesund, vital und gut genährt sein – das Paar wird nun für 14 Tage kräftig gefüttert (am besten mit gutem Lebendfutter oder Frostfutter, z.B. Artemia, weißen und schwarze Mückenlarven). Idealerweise befinden sich die beiden Haltungsbecken nebeneinander, so dass der sich dazwischen befindende Sichtschutz täglich für ca. 10-15min (nicht dauerhaft!) entfernt werden kann. Das fördert die Bildung des Laichansatzes beim Weibchen und regt das Männchen zum Nestbau an.

Das Zuchtbecken kann nach verschiedenen Konzepten eingerichtet werden. Idealerweise gibt es einen eingefahrenen Filter, der zwar nicht zwingend notwendig ist, aber doch die Stabilität der Wasserwerte eher gewährleistet. Wenn ein Filter zur Verwendung kommt, eignet sich idealerweise, weil völlig gefahrlos, ein Schwammfilter – dieser kann zu jeder Zeit des Prozesses eingeschalten bleiben.
Die zweite Möglichkeit wäre einen kleinen Innenfilter zu verwenden, der dann aber unbedingt regulierbar sein sollte. Diesen packt man gut in Filterwatte ein und zieht einen Strumpf darüber, damit Jungfische nicht eingesaugt werden können (den gesamten Innenfilter in den Strumpf packen). Der Filter wird im Becken nun so angebracht dass er horizontal im Becken im unteren Bereich ist, die Filterausströmung wird direkt gegen eine Beckenwand gerichtet, um nur eine kaum merkbare Filterströmung im Becken zu erzeugen.
Unbedingt notwendig ist ein kleiner, regulierbarer Heizstab, der in etwa 27°C im Becken gewährleisten sollte. Strategisch gut platziert wäre dieser horizontal im unmittelbaren Bereich der Filterströmung, da dort das Männchen sicherlich kein Nest bauen wird.

Als günstig für den Nestbau des Männchens haben sich schwimmende Dinge erwiesen, z.B. Seemandelbaumblätter (die zudem antibakteriell und antifungizid wirken), Styroporplattenstücke, Schwimmpflanzen, etc. Selbstverständlich braucht das Becken eine Abdeckung! Die Höhe des Wasserstandes sollte in etwa 15cm betragen.

Für die Nacht stellt man dem Männchen am besten eine kleine schwache Lampe in die Nähe des Beckens zur Verfügung – das Männchen ist während der Brutpflege immer wach und findet leichter herunterfallende Eier, wenn er ein bisschen Licht hat.

Während der Verpaarung und bis das Weibchen wieder aus dem Becken genommen wird, ist es aber günstiger das Licht des Aquariums tagsüber ausgeschaltet zu lassen, damit sich das Weibchen besser vor dem Männchen verstecken kann, falls notwendig.

Nachdem man während der Paarung nicht im Becken hantieren und auch sonst nicht stören sollte, wäre es eine gute Möglichkeit mittels einer Portion Wasserflöhe für ständig zur Verfügung stehendes, gutes Futter zu sorgen.

Betreffen der restlichen Einrichtung des Zuchtbeckens gibt es unterschiedliche Varianten, die alle ihr Vor- und Nachteile haben.

1. steriler Ansatz: Im Becken ist nur ein Heizstab (und eventuell ein Filter), sowie die erwähnten Nestbauhilfen und Versteckmöglichkeiten für das Weibchen also z.B. Javamoos, feinfiedrige Pflanzen, Höhle etc. Der Boden bleibt frei (also kein Bodengrund). Vorteilhaft ist diese Variante in hygienischer Hinsicht, nämlich für die effektive Absaugung des Bodens, Jungfische werden zudem leichter gesehen und somit weniger leicht mit eingesaugt.

2. Ansatz im voll eingerichteten Becken: Siehe steriler Ansatz, allerdings inklusive Bodengrund, eingesetzten Pflanzen usw. Dies bietet die Vorteile eines fix eingefahrenen Beckens und der damit einhergehenden stabileren Parameter des Wassers. Allerdings kann in diesem Becken kaum so hygienisch gearbeitet werden wie in den sterilen, da die genaue Bodenreinigung nicht möglich ist und Jungfische mitunter dabei leicht mit eingesaugt werden und dann mühsam aus dem Kübel mit dem alten Wasser wieder herausgefischt werden müssen.

3. „Dunkler“ Ansatz: Über ein Becken à la sterilem Ansatz wird ein dünkleres, großes Leintuch oder Badetuch gebreitet, in das ein ca. 3cm großes Loch geschnitten wird, worüber eine schwache Beleuchtung angebracht wird – strategischerweise am strömungsärmsten Punkt im Becken, wo auch die Nestbauhilfen platziert werden. Dies hat vor allem den Vorteil, dass tendenziell eher aggressivere Tiere leichter und ungefährlicher verpaart werden können, da das Jagen und zupfen aufhört sobald sie sich einfach nicht mehr sehen. Zusätzlich kann das Wasser selbst auch noch eingedunkelt werden z.B. mit 1 bis 2 Seemandelbaumblättern (oder – sud) oder Erlenzäpfchen. Nach der erfolgreichen Verpaarung, wird das Tuch beim Herausnehmen des Weibchens aus dem Zuchtbecken wieder entfernt.

Generell sollte zuerst das Weibchen in das Zuchtbecken eingesetzt und man lässt sie das Becken ein paar Stunden in Ruhe erkunden. Dann wird sie in einen durchsichtigen Plastik/Glasbehälter ins Zuchtbecken eingesetzt oder hinter einer durchsichtigen Plexiglaswand separiert – im Becken ist dafür vor allem ein Bereich nahe des etwaigen Innenfilters geeignet, da das Männchen sein Nest dort sicherlich nicht bauen wird). Was auch immer für ein Behälter gewählt wird, er sollte leicht wieder aus dem Becken zu entfernen sein, ohne nennenswerte Wasserbewegung zu erzeugen, damit das Nest nicht zerstört wird.
Nun wird das Männchen, getrennt vom Weibchen ins Becken gelassen – es wird normalerweise bald nachdem es das Weibchen entdeckt hat mit dem Nestbau beginnen.
Sobald das Nest fertig erscheint und das Weibchen Laichstreifen zeigt (hellgelbe vertikale Linien), kann man das Weibchen freilassen – diese Phase nun sollte unter Beobachtung passieren (außer natürlich beim dunklen Ansatz, wo das nicht möglich ist, aber auch weniger Gefahr für die Fische besteht). Idealerweise sind nun beide paarungsbereit und das Männchen führt das Weibchen (nach einer kürzeren Phase des Jagens und eventuell Zupfens) unter das Nest. Wird das Jagen unermüdlich und endlos, das leichte Zupfen eskaliert in Beschädigungskämpfe, ist das Weibchen sofort wieder in ihren Plastikbehälter zu setzen und erst zu einem späteren Zeitpunkt sollte ein neuer Versuch erfolgen.

Sobald das Paar unter dem Nest ist, beginnen meist bald die ersten Scheinpaarungen, danach erst kommt es zu echten Paarungen. Dabei umschlingt das Männchen das Weibchen, dieses stößt ihre Eier in mehreren Intervallen ab, welche sofort vom Männchen befruchtet, eingesammelt und ins Nest befördert werden.

Jetzt sollte der Innenfilter komplett ausgeschalten werden – in Betrieb genommen wird er erst wieder nach dem Freischwimmen der Jungfische (plus ev. 2 Extra-Tage).

Nach einiger Zeit, wenn die Paarung beendet ist, verjagt das Männchen das Weibchen wieder – jetzt ist der Zeitpunkt, um das Weibchen aus dem Becken zu nehmen und sie in ihr Haltungsbecken zurückzusetzen gekommen. Sie sollte in den nächsten Tagen gut gefüttert werden und eventuelle Verletzungen mittels Salzbeigabe im Wasser rasch zur Abheilung gebracht werden (1TL jodfreies Salz auf 10L Wasser).

Nun beginnt für das Männchen die anstrengendste Zeit, nämlich die Brutpflege – bis zum Freischwimmen der Jungfische wird er weder ruhen noch fressen (wie mit allem bestätigen Ausnahmen die Regel) – unermüdlich wird er unter dem Nest wachen und herunterfallende Eier aufsammeln und sie ins Nest zurückbefördern. Nach 36-48 Stunden schlüpfen die Fischlarven – anfangs sind sie gar nicht leicht auszumachen, bei genauem Hinsehen entdeckt man die kleinen Kommas aber im Nest – das Männchen wacht weiterhin Tag und Nacht unter dem Nest, auch Ausreißer werden unermüdlich eingesammelt und aus dem Nest gefallene Junge wieder zurückgebracht.

In den ersten 2-3 Tagen ernähren sich die Jungfische von ihrem Dottersack bzw. von Infusorien, wie sie sich in eingefahrenen Becken zur Genüge befinden. Ab dem 3. - 4. Tag sollte aber unbedingt bereits zugefüttert werden z.B. mit Mikrowürmchen oder auch Essigaälchen – aber auch Flüssignahrung ist zur Überbrückung geeignet. Ab dem Freischwimmen allerdings (jetzt wird das Männchen aus dem Zuchtbecken traditionellerweise entfernt – es sollte dann gut gefüttert werden und Ruhe haben dürfen) sollten unbedingt bereits frischest geschlüpfte Artemia-Nauplien angeboten werden.

Auch sollten nun täglich 4-5 L gut aufbereitetes, abgestandenes Wasser ins Becken dazukommen, ca. 2-3 Tage nach dem Freischwimmen kann auch der Innenfilter wieder in Betrieb genommen werden (vorerst unter Beobachtung ob die Jungfische nicht doch daran noch kleben bleiben und nicht selbstständig wieder weg vom Filter schwimmen können). Sobald das Becken nach einigen Tagen vollgefüllt ist, kann man den Innenfilter aufrecht drehen.

Nach ca. 1 ½ - 2 Wochen sollte man eventuell mal den Boden erstmals reinigen (vorsichtig, damit keine/kaum Jungfische irrtümlich mit eingesaugt werden – Kübelwasser jedenfalls gründlich kontrollieren bevor es weggeschüttet wird!). Zwei Wochen nach dem Schlupf kann man auch bereits größere Mengen an Wasser wechseln, da die Jungfische nicht mehr so empfindlich auf Veränderungen der Wasserchemie sind - ca. 20-30% alle 3-4 Tage. Ein eventueller Reinigungstrupp Schnecken könnte ebenfalls völlig gefahrlos ab dem Freischwimmen eingesetzt werden.

Artemia-Nauplien stellen für die Jungfische für die nächsten 6 Wochen nun das Hauptfutter dar. Sie sind proteinreich und regen das Wachstum von allen Futtersorten am besten an. Eine reine Fütterung mit Essigaälchen oder Mikrowürmchen sollte vermieden werden, dieser Speiseplan wäre zu einseitig.

Ab ca. Woche 4-5 kann langsam versucht werden die Jungfische an Trockenfutter ebenfalls zu gewöhnen – hier bieten sich vor allem dekapsulierte Artemiaeier an.

Später dann ab ca. Woche 6 können auch granulierte oder aufgetaute Cyclops hinzukommen, wie auch roter Plankton. Jede Nahrungserweiterung wird zuerst von den Jungfischen eher nur skeptisch angenommen oder vorerst einmal ganz abgelehnt. Mit der Zeit allerdings werden sie sich geradezu darauf stürzen!

Ab Woche 8-10 sollte man sich überlegen, ob die Beckengröße noch der Anzahl der Fische und deren Körpergröße entspricht – eventuell könnte man jetzt eine Transferierung in ein größeres Aufwuchsbecken vornehmen. Aufwuchsbecken sollten fix eingefahrene und vollständig eingerichtete Becken sein, ein Trupp Panzerwelse und Schnecken wäre hier nicht nur hübsch anzusehen sondern auch sehr hilfreich. Wasserwechsel in größeren Becken sollten trotzdem eher häufig vorgenommen werden (ca. 30-40% alle 3-5 Tage), da die Jungfische bestimmte Stoffe ins Wasser abgeben, man vermutet Hormone, die scheinbar wachstumshemmend wirken. Selbstverständlich gibt es auch andere Theorien, so wirkt beispielsweise Nitrit ebenfalls wachstumshemmend, aber auch der sogenannte Crowding-Effekt könnte dafür verantworlich sein (Danke @ Thomas für diese Anregung)

Ab Woche 10 in etwa kann es zu den ersten Zankereien im Becken kommen – sobald diese zu Schnappen oder Zupfen werden, sollten jeweils die aggressivsten Jungfische separiert werden. Dafür eignen sich lebensmittelechte, völlig durchsichtige Plastikboxen mit Deckel, die mindestens 3.5L Volumen haben. Natürlich wird in jede Box nur 1 Fisch gesetzt. Diese Boxen sollten eine konstante Wassertemperatur von 25-26°C aufweisen und alle 2 – 3 Tage ausgespült und mit aufbereitetem Wasser befüllt werden. Eine einmal tägliche Fütterung reicht für die separierten Fische nun langsam aus – je nach Größe kann man nun beginnen, auch aufgetaute und abgespülte Daphnien anzubieten, bzw. geschnittene weiße und schwarze Mückenlarven und Artemia. Zwischen den Boxen ist unbedingt ein Sichtschutz anzubringen und der Deckel muss eine Sauerstoffzufuhr ermöglichen (eventuell Löcher bohren oder Deckel nur an einer Seite fixieren und somit an den anderen Seiten einige wenige Millimeter geöffnet bleiben, mehr sollte es aber nicht sein, da Bettas gute Springer sind).

Nachdem die Jungfische ca. 3,5 – 4cm groß geworden sind, kann man diejenigen, die man nicht behalten will oder kann, ihren neuen Besitzern übergeben. Sie sollten nun ein eigenes Becken für sich bekommen. Im Aufzuchtbecken werden Weibchen übrig bleiben, die sofern alle friedlich zusammenleben können auch zusammen gehalten werden können – je nach Anzahl ist eine entsprechende Beckengröße für die Dauerhaltung auszuwählen. Aber auch in den Boxen können Weibchen im Rahmen des Separierens der Aggressivsten gelandet sein – diese sollten auch in Zukunft unbedingt alleine in Haltungsaquarien gepflegt werden.

Viel Erfolg!
LG Ursula & Kim


Zuletzt von am Di 19 Dez 2006 - 20:49 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Thomas
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 10 Dez 2006 - 20:24

Servus Ursula und Kim,

das ist ein sehr schöner und ausführlicher Bericht, der differenziert den Zuchtablauf darstellt, praxisorientiert in die Tiefe geht ohne zu detailgenau zu werden. Was mir vor allem besonders lobenswert erscheint, ist, daß ihr immer wieder das Wohl der Tiere in den Mittelpunkt stellt, den Nachahmer zu verantwortungsvollem Handeln motiviert und geschickt das neue Tierschutzgesetz miteinarbeitet! Euer Konzept ist voll aufgegangen!

Nur eine Frage: Kennt ihr die Quelle folgender Angabe? Würde mich sehr interessieren...

ursula schrieb:
Wasserwechsel in größeren Becken sollten trotzdem eher häufig vorgenommen werden (ca. 30-40% alle 3-5 Tage), da die Jungfische bestimmte Hormone ins Wasser abgeben, die wachstumshemmend wirken (dadurch wird die Konkurrenz reduziert gehalten) – mit häufigem Wasserwechseln kann man die Konzentration des Hormons gering halten und ein besseres Wachstum aller Fische ermöglichen.

Liebe Grüße,
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ursula
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 10 Dez 2006 - 20:56

Hallo Thomas, danke für die Blumen flower
Betreffend der Hormone: Eigentlich handelt es sich hierbei mittlerweile um Allgemeinwissen der Betta Splendens Züchter. Das Aufzuchtprocedere wurde nach dieser Erkenntnis entsprechend adaptiert - sprich je mehr, je größere Jungfische umso häufigere Wasserwechsel - damit ist ein rasches Wachstum der Fische ermöglicht.
Nachdem die Europäer im Zuchtbereich vorwiegend von den Asiaten gelernt haben, vermute ich den Ursprungsort dieses Wissens ebenfalls dort.
Generell ist es schwierig geworden verschiedene Tatsachen literarisch nachzuweisen, da die heimische Literatur sich vielfach auf völlig veraltete Theorien stützt - neue aktuelle Literatur ist rar. Vielfach holen sich die europäischen ZüchterInnen ihre Tipps und Tricks einfach von befreundeten Züchtern im asiatischen Raum und geben hier dann ihr Wissen weiter - oder auch über asiatische Internetforen wie ebenfalls viel Wissen transportiert.
Um wieder auf die Hormone zurückzukommen, gab es Versuche in Europa und den USA diese These empirisch zu verifizieren - ein Name, der mir dazu spontan einfällt ist Victoria Pernell. Sie fand heraus, daß mit täglichen Wasserwechseln ein Teil ihres Wurfes weitaus schneller wuchs als der zweite Teil, den sie so aufzog wie bisher.
http://www.bettysplendens.com/articles/page.imp?articleid=1769
Das war sozusagen ein Teil des Rätsels Lösung, warum die Thailänder (zB) ihre Fische derart schnell hochbringen, daß es sogar möglich für sie ist, sie bereits im zarten Alter von 3 Monaten zu verpaaren oder sie bei Shows in diesem Alter schon anmelden zu können (da gibt's ja eine Mindestgröße). Ethisch sei die Sache jetzt mal nicht diskutiert - und diese Intentionen verfolgt im hiesigen Raum glaube ich auch rein gar keiner - nichts desto trotz haben sich alle immer gewundert, wie die Thais denn das eigentlich machen ;-)
Tja die Existenz dieses Hormons und der Versuch seine Wirkung weitestgehend in Schranken zu halten, hat sich dann als Hinweis erwiesen.
Werde mich noch nach "echten" Literaturhinweisen schlau machen - falls es diese h.o. überhaupt gibt ;-)
LG Ursula
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Thomas
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 10 Dez 2006 - 22:20

ursula schrieb:
Um wieder auf die Hormone zurückzukommen, gab es Versuche in Europa und den USA diese These empirisch zu verifizieren...

...empirisch...

Ich postuliere: Die anfangs praktisch nicht meßbare, stoffwechselbedingte Verschlechterung der Wasserqualität und andere crowding-Effekte sind harte Fakten. Wie wäre es mit einem Versuch? Einzeltiere (ohne crowding) mit "hormonbelastetem", aber sonst einwandfreiem Wasser aufziehen im Vergleich zu "unbelastetem"? Falls das nicht schon mal probiert wurde...

Rein energetisch habe ich auch ein Problem: Der "besser" angepaßte, der schneller wachsende, investiert Energie in die "Behinderung" seiner Geschwister, anstatt sie in sein eigenes Wachstum zu stecken?

ursula schrieb:
Werde mich noch nach "echten" Literaturhinweisen schlau machen - falls es diese h.o. überhaupt gibt ;-)

Bitte, vielen Dank! Ich kenne die "Problemchen"...
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Ingo

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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 10 Dez 2006 - 23:09

So hier mal ein paar Bilder eines sterilen Zuchtbeckens von mir, Ursula hat sich ja schon ausgetobt und es ist soweit nichts anzufügen.
Ich persönlich ziehe die sterilen Becken vor aber das liegt an jedem selbst was einem am besten zusagt...
Gut sind alle Möglichkeiten am besten man testet die verschiedenen Möglichkeiten selbst mal aus..



Ich habe mehrere 60er Aquarien die in der Mitte abgeteil sind und so 2 Zuchtpaaren platz bieten


Viele grüsse
ingo
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 10 Dez 2006 - 23:25

Hallo!
Nun ja also *räusper* diese Versuche gab es ja zB durch Victoria Parnell:
ursula schrieb:
Victoria Pernell. Sie fand heraus, daß mit täglichen Wasserwechseln ein Teil ihres Wurfes weitaus schneller wuchs als der zweite Teil, den sie so aufzog wie bisher.
http://www.bettysplendens.com/articles/page.imp?articleid=1769
in dem angegebenen Link ist dies auch etwas genauer ausgeführt. Selbstverständlich handelte es sich nicht um eine wissenschaftlich angelegte Studie - sondern eben um einen Versuch, die Angelegenheit nach ihrem Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Wer würde die auch bezahlen wollen ... die Wiener Wasserwerke werden sich als Sponsor kaum finden lol!
Aber na gut, jetzt hast mich angesport - irgendeinen Literaturverweis werde ich Dir jetzt auf Biegen und Brechen irgendwoher zaubern.

LG Ursula
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Thomas
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mo 11 Dez 2006 - 0:07

ursula schrieb:
Wer würde die auch bezahlen wollen ... die Wiener Wasserwerke werden sich als Sponsor kaum finden. Aber na gut, jetzt hast mich angesport - irgendeinen Literaturverweis werde ich Dir jetzt auf Biegen und Brechen irgendwoher zaubern.

Ich werde bei der Nutzfischzucht (die sponsern auch) stöbern.
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Ingo

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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mo 11 Dez 2006 - 0:44

Ich kann das was Ursula o.eben Viktoria geschrieben hat nur bestätigen ich hatte in Duisburg dieses jahres einige von meinen Nachzuchte dabei die gerade mal 3 Monate alt waren und schon eine Körperlänge von 4 cm hatten...
Dies war nur möglich, durch ständige Wasserwechsel und sehr abwechslungsreiches Futter und gute Wärme...
Die andere Vermutung die bei uns im EHBBC schon mal Diskutiert wurde ist das sich die Hormone im Wasser, auch auf das geschlecht der Fische auswirken könnte (Wissenschaftlich erwiesen ist dies aber nicht). Da bei manchen, mich eingeschlossen ein bedeutend höherer Teil der Jungfische sich zu männlichen Exemblaren entwicket... und nur ein kleiner Teil Weiblich wird.
Es ist auf jeden Fall was dran Wink

Was mir noch fehlt bei den obigen Beitrag ist die Zuchttemperatur.
Diese liegt optimalerweise bei 26,6°C ...oder höher
ABER!!!
Natürlich muss man dazu sagen je schneller ein Fisch wächst desto geringer ist seine Lebenserwartung, liegt an dem Stoffwecksel...

Gruß
ingo
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mo 11 Dez 2006 - 2:03

Hi Ingo!
Nööö isch eigentlich da..... cyclops


[quote="ursula
Unbedingt notwendig ist ein kleiner, regulierbarer Heizstab, der in etwa 27°C im Becken gewährleisten sollte. [/quote]

LG Ursula
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Ingo

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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mo 11 Dez 2006 - 8:26

Hi Embarassed
also nach 3 mal Lesen habe ich es nun gefunden Razz
Sorry, aber Du kennst ja die Ausrede mit dem Alter bounce Rolling Eyes lol!

Cool Wink
ingo
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mo 11 Dez 2006 - 10:02

Hi Ingo!
mit 24 ???

...aber das Layout is klasse oder?! lol!

LG U
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ursula
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Fr 15 Dez 2006 - 1:23

Hallo!
@ Thomas:
Also, daß es tatsächlich Hormone sind wird in der Betta-Szene angenommen, und das offenbar weltweit - der endgültige wissenschaftliche Beweis steht aber offenbar noch aus.

Aber auch Nitrit ist toxisch und wirkt angeblich wachstumshemmend. Viele Minifische auf kleinem raum mit jeder Menge Futter - das ist sowieso eine Gefahr, die man nicht aus den Augen verlieren sollte - dadurch wechselt man Wasser besser ohnehin häufiger UND reduziert damit einhergehend ja ebenfalls die Konzentration dieses ev. Hormons gleichtzeitig.
Wenn im Jungfischbecken sich jedoch ein Alphamännchen einmal herausgebildet hat, scheinen die anderen im Wachstum stehenzubleiben. Werden die aggressivsten Tiere mit der Zeit aus dem Becken separiert, wachsen die anderen gleichmäßiger und rascher wieder. Selbst dann, wenn man glaubt alle Männchen aus dem Becken entfernt zu haben, "outen" sich manche vermeintliche Weibchen plötzlich doch noch als Männchen. Trotzdem wachsen die Jungfische im Aufwuchsbecken, selbst bei sehr häufigen Wasserwechseln nicht ganz regelmäßig - was ev. gg. die Hormontheorie spräche. Andererseits, sobald sie separat in ihren Einzelseparees sitzen, wachsen sie wieder gleichmäßig und bei extrem häufigen Wasserwechseln alle 1-2 Tage ziemich rasch sogar (bei "normalen" Wasserwechseln alle 3-4 Tage, wäre Nitrit trotzdem noch kein Problem in der Box).

Irgendwie beeinflussen sich die Jungfische gegenseitig beim Wachstum.
LG Ursula
PS: Lieben Dank an Ramon und Monty-K aus dem bettasplendensforum, die netterweise ebenfalls auf suche nach Referenzen gingen - nur leider mit demselben Ergebnis.
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Thomas
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Di 19 Dez 2006 - 16:22

ursula schrieb:
Irgendwie beeinflussen sich die Jungfische gegenseitig beim Wachstum.

Alles was Du angeführt hast, sind völlig normale Auswirkungen unter beengten Verhältnissen - diese Dichteeffekte (Anzahl der Individuen pro Flächeneinheit), besser als "crowding effects" bekannt sind u.a.:
.) geringere Körpergröße
.) organische Störungen
.) Aggressivität
.) Kannibalismus
Die Ursachen sind u.a.:
.) Anhäufung von Abfallprodukten
.) Raummangel
.) Nahrungsmangel
.) Streß durch dauernde Beunruhigung

Die Einflüsse auf das Wachstum von Jungtieren sind vielfältig und wir werden nur mit dynamischem Reagieren den maximalen Erfolg erzielen und somit bereits den Jungtieren ein lebenswertes Umfeld bieten können.

Pauschal von einem einzelnen Faktor als Verursacher zu sprechen wäre unzulässig (auch wenn sich das viele aus unterschiedlichsten Gründen wünschen würden - das ist für mich der "Beweis"). Solange kein Nachweis zur "Hormonbelastung" erbracht ist, würde ich diesen Abschnitt streichen und stattdessen auf die "crowding effects" verweisen.
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ursula
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mi 20 Dez 2006 - 13:15

Hallo!

Thomas schrieb:

Alles was Du angeführt hast, sind völlig normale Auswirkungen unter beengten Verhältnissen - diese Dichteeffekte (Anzahl der Individuen pro Flächeneinheit), besser als "crowding effects" bekannt sind u.a.:
.) geringere Körpergröße
.) organische Störungen
.) Aggressivität
.) Kannibalismus
Die Ursachen sind u.a.:
.) Anhäufung von Abfallprodukten
.) Raummangel
.) Nahrungsmangel
.) Streß durch dauernde Beunruhigung

Die Einflüsse auf das Wachstum von Jungtieren sind vielfältig und wir werden nur mit dynamischem Reagieren den maximalen Erfolg erzielen und somit bereits den Jungtieren ein lebenswertes Umfeld bieten können.

Selbstverständlich spielt der Crowding Effekt im Zuchtbecken/Aufwuchsbecken eine Rolle und wird von uns allen mitberücksichtigt - wie auch den genannten Gefahren entgegengewirkt.

Nichts desto trotz scheint da bei Bettas noch mehr zu sein, als diese eine Erklärung, die wenn auch eine multifaktorielle Erklärung, mir doch nicht als letzte Wahrheit erscheint.

Wir haben es ja zB auch nicht mit klassischem Zwergenwuchs zu tun - sondern mit Fischen, die sehr wohl in der Größe aufholen können, sobald die dominanten agressiveren Alpha-Tiere nach und nach aus dem Becken heraus separiert werden - und diese kleinen Jungfische entwickeln sich sehr oft weitaus besser als diejenigen, die von Anfang an in der Größe rasch wachsen.

Und nicht nur das, Bettas können sich auch erst spät als Männchen "outen" - nämlich dann, wenn die Alphatiere aus dem Becken entfernt wurden. Bis dahin gibt es das Phänomen der scheinbaren Weibchen, die aber keine sind - sie entwickeln aber die entsprechende Körperform, sogar eine Laichpapille, haben kürzere Flossen wie eben Weibchen und verhalten sich absolut "weiblich" - der einzige Unterschied ist, daß sie keinen Laichansatz bilden können...
Und plötzlich, wenn die "Gefahr" durch andere entwickelte Männchen (oder aber auch durch aggressivere Weibchen) vorbei ist, schieben sie die Flossen raus, werden farbenprächtiger, die Körperform wird größer und bulliger, das Verhalten wird "männlich" sozusagen usw.
Also scheinen solche "Scheinweibchen" quasi eine hormonelle Schutzfunktion aktiviert zu haben - der echte Hormonschub erfolgt erst, wenn die dominanten, und somit zumeist männlichen Tiere nicht mehr da sind. Solche inkognito-Männchen finden sich oft in den völlig überfüllten Weibchenbecken der Zooläden - oft gibt es Berichte eher unerfahrenerer Halter über Mord- und Totschlag im vermeintlichen Zuchtbecken, wenn defacto 2 Männchen einen Paarungsversuch starten sollen Neutral Oft aber auch reagieren diese Scheinmännchen in dieser situation mit Verstecken, Stressstreifen, Flossenklemmen usw, wenn sie die Konfrontation mit den dominanten, voll entwickelten Männchen/Weibchen scheuen.
Also irgendetwas hormonelles spielt sich bei Bettas sehr wohl in größerem Rahmen ab.

Die von Dir erwähnten "organischen Störungen" im etwaigen Rahmen des Crowding Effekts scheinen mir doch eher eine genetische Ursache zu haben.

"Futtermangel" in unseren Zuchtbecken herrscht de facto nicht, die Fische werden 3-4x täglich mehr als ausreichend gefüttert - natürlich gibt es Fische, die nicht so "fit" sind, das Futterangebot zu entdecken oder die sich weigern, überhaupt zu fressen, dieses Futter für sie sinkt allerdings unverbraucht zu Boden udn es liegt nicht daran, daß sie keines bekommen würden - das ist viel eher natürliche Auslese und passiert im natürlichen Lebensraum noch viel häufiger. Um ihnen das Fressen möglichst anzugewöhnen, werden die Fische anfangs in kleinen Becken gehalten, um eben das Futterangebot zentraler verfügbar zu machen.

Mit zunehmende Größe, werden die Fische in größere Aufwuchsbecken transferiert - trotzdem werden zusätzlich dort ab ca. Woche 10 bereits die ersten Männchen separiert - somit die Besatzdichte im Aufzuchtbecken um ca. 50% noch zusätzlich gesenkt. Also auch die Ursache des "Raummangels" ist in diesem Falle fraglich! Erst mit der Geschlechtsreife kommt auch der Anspruch auf entsprechende Reviergrößen (bei den Männchen aggressiver, deshalb die Separation, bei den Weibchen zumeist weniger) - bis dahin ist eine lockere Gruppenhaltung von den verbleibenden Weibchen durchaus möglich - mit Einsetzen der Geschlechtsreife muß dem natürlich Rechnung getragen werden und entsprechende Beckengrößen zur Verfügung gestellt werden (in etwa 20-30cm Revier pro weiblichem Betta).

"Kannibalismus" ist in Betta-Würfen durchaus ebenfalls vorkommend, mir scheint allerdings, daß dieser einen ganz anderen Grund hat. Meiner Meinung nach entsteht dieser in der Hektik des "Futter fassens", wo alle Fische völlig hysterisch quasi sich gleichzeitig aufs Futter stürzen - dabei kann es irrtümlich im Durcheinander des Futterschnappens auch zu gegenseitigem Schnappen auf Geschwisterfische kommen, die quasi plötzlich in den Weg schwammen zwischen dem hungrigen Fisch und dem Futter und so kommt es meienr Meinung nach mitunter auch zu gegenseitigen Verletzungen - gröbere Verletzungen "riechen" auch nach Futter und so werden stärker verletzte Fische dann nach und nach weiter verletzt und aufgefressen schlußendlich. Dies betrifft aber nicht nur kleinere Geschwister (was ich eigentlich noch gar nicht beobachten konnte, aber oft berichtet wird), sondern auch große Geschwister (so wie bei mir immer), wie sogar etwaige "Beifische", wie dies zB bereits 3x meinen Panzerwelsen auch passiert ist - 2 wurden ratzeputz gefressen und einer hat seither nur mehr 1 Auge (und konnte sich offenbar rechtzeitig verstecken, bevor sie alle auf ihn losgingen)...

Der "Stress durch dauernde Beunruhigung", den Du erwähnt hast, trifft bei uns eigentlich - wenn überhaupt - auch nur in einem sterilen Zuchtbecken zu - spätestens nach ein paar Wochen allerdings passiert ja die Transferierung in die weitaus größeren Aufwuchsbecken, die allerdings voll eingerichtet und dicht bepflanzt sind - von daher ist dieses Argument auch nur ein relatives in meinen Augen.

LG Ursula
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Thomas
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Mi 20 Dez 2006 - 16:46

ad "Zwergwuchs": ich kenne bei Betta (u.a. B.splendens u. B.sp."Mahachai") drei unterschiedliche Formen von "Zwergwuchs".
a.) irreversibel und von Umwelteinflüssen "unabhängig", d.h. genotypisch
b.) irreversibel, wenn die Individuendichte zu lange zu hoch war.
c.) reversibel, wenn die Individuendichte früh genug gesenkt wurde.
Das sich mit der Senkung der Individuendichte die allgemeinen Bedingungen verändern ist logisch.

Wenn sich die kleineren Jungfische bei späterer Bevorzugung besser entwicklen, als deren auffällig größere Geschwister führe ich das auf den "couch-potatoe"-Effekt Very Happy zurück. Diesen "couch-potatoes" ging es "zu gut" und sie tendieren zu Krankheitsanfälligkeiten, Unfruchtbarkeit, Aggressivität etc. Die breite Mitte der kleineren Jungtiere ist der bessere Genpool.

ad "scheinbare Weibchen": diese sexuelle Mimikry hatte/habe ich regelmäßig bei meinen Tieren. Sie tritt i.d.R. nur bei beengten Verhältnissen auf und beruht auf einer Energieersparnis zu Lasten der Fortpflanzung (in einer ohnehin "ausweglosen", zumindest sehr energieaufwendigen Situation), zu Gunsten des Wachstums.

ad "organische Störungen": Meine Beschreibung der "crowding effects" war allgemeiner und nicht vollständiger Natur.
Man kann genetische Ursachen nicht völlig ausschließen, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, daß diese organischen Störungen durchaus auf Umwelteinflüsse zurückzuführen sind.

ad Futtermangel: Meine Beschreibung der "crowding effects" war allgemeiner und nicht vollständiger Natur.
Ich bezweifle die "natürliche Auslese" in diesem Zusammenhang, da hier die Konkurrenz ausschlaggebend ist und nicht das Futterangebot. Tiere die sich gegenüber ihren Geschwistern nicht durchsetzen können sind i.d.R. unter ausreichendem Platzangebot genauso lebensfähig, zumal diese Tiere i.d.R. die kleineren (s.o.) und meistens auch Weibchen sind.
Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß Jungtiere die auf großen Flächen aufgezogen werden nur dann überleben können, wenn sie das Futter finden, also aktiv danach suchen, und nicht nur wenn sie die aggressiveren/durchsetzungsfähigeren sind.

ad "Raummangel": Aus eigener Erfahrung und wenn man den Lebensraum betrachtet, weiß ich, daß fehlende Fläche einer der Hauptauslöser für eine Vielzahl von Problemen ist.
Der Anspruch auf "Reviergrößen" beruht nicht nur auf der Sexualität sondern besteht von Anfang an - nennen wir es Raum zur individuellen Entfaltung und Deckung aller Ansprüche.

ad "Kannibalismus": dieser steigt bei Individuendichte und zur Populationskontrolle. Es passiert durchaus, daß Elterntiere und ältere Geschwister kleine Jungtiere fressen und gezielt, trotz angeborener Duldung, Jagd nach ihnen machen, wenn zuviele Individuen im gleichen Lebensraum vorhanden sind und dies unabhängig vom Futterangebot!

ad "Stress durch dauernde Beunruhigung": Meine Beschreibung der "crowding effects" war allgemeiner und nicht vollständiger Natur.
Wir sind keine Fische, daher wird es uns schwer fallen deren Stress zubeurteilen, aber unter Platzmangel etc. tritt er sicher auf.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, möchte ich noch einmal betonen das einzelne Störfaktoren und deren Beseitigung nur Teilschritte in Richtung einer optimalen Haltung sind. Ich leide selbst unter Raummangel und werde daher meinen Fischen nicht mein gesamtes Wohnzimmer opfern, aber ich achte seit geraumer Zeit auf deren Lebensqualität soweit es mir möglich ist. Wer genug Platz hat, dem kann ich nur folgendes empfehlen (aus eigener Erfahrung): ein Paar B.splendens auf einer Fläche von 70 x 60 cm. Auf dieser Fläche gab es gar keine der oben beschriebenen Auffälligkeiten, soweit ich das beobachten/beurteilen konnte.
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Thomas
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Fr 22 Dez 2006 - 1:30

ursula schrieb:
Und nicht nur das, Bettas können sich auch erst spät als Männchen "outen" - nämlich dann, wenn die Alphatiere aus dem Becken entfernt wurden.

Axel Gutjahr beschreibt dieses "Phänomen", daß ja von etlichen Fischarten dokumentiert ist, bei Apistogramma borelli im aktuellen Aquaristik Fachmagazin Nr.192 12/06,01/07 S.60.
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Jacqueline



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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 7 Jan 2007 - 19:15

Nun habe ich eine Frage, falls es hier falsch ist, kann es ruhig verschoben werden!

Habe mir den Text gründlichst durchgelesen jedoch habe ich eine Frage offen: Wenn die Jungtiere geschlüpft sind, wann entferne ich im richtigen Moment die Tiere, ... erst wenn sie erfolgreich selbstständig im ganzen Becken alleine schwimmen können oder schon etwas früher?

LG
Jacqueline
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 7 Jan 2007 - 19:26

Hi Jacqueline,

Also ich entferne das Männchen wenn die ersten kleinen anfangen sich selbständig vom Nest zu entfernen. Auch wenn dann immer noch welche im Nest sind. Da ab dann die Gefahr am Größten ist, das sich das Männchen bei den Freischwimmern bedient.

Grüße Kai
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Thomas
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BeitragThema: Artikel zu Hemmstoffen   Mi 2 Mai 2007 - 21:21

Thomas schrieb:
Ich werde bei der Nutzfischzucht stöbern.

Dank Udo, der mir die homepage übermittelt hat, habe ich einen Artikel zu "Hemmstoffen" gefunden. Auch wenn unser Diskurs (s.o.) z.T. akademischer Natur war, möchte ich betonen, dass die Wachstumshemmung bei unseren Jungfischen nicht monokausalen Ursprungs ist - und Wasser wechseln wir ohnehin, aus welchem Grund ist schlussendlich egal, solange es den Fischen gut tut!

P.S.: Schaut euch die Fotos vergrößert an! Unglaublich!
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ursula
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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   Do 3 Mai 2007 - 0:04

Hallo Thomas!
Wirklich sehr interessanter Link und die Fotos - ja die sind wirklich unglaublich....
Vielen Dank!
LG Ursula

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sven



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BeitragThema: Re: Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.   So 23 März 2008 - 22:27

Ingo schrieb:
So hier mal ein paar Bilder eines sterilen Zuchtbeckens von mir, Ursula hat sich ja schon ausgetobt und es ist soweit nichts anzufügen.
Ich persönlich ziehe die sterilen Becken vor aber das liegt an jedem selbst was einem am besten zusagt...
Gut sind alle Möglichkeiten am besten man testet die verschiedenen Möglichkeiten selbst mal aus..



Ich habe mehrere 60er Aquarien die in der Mitte abgeteil sind und so 2 Zuchtpaaren platz bieten


Viele grüsse
ingo

gibt es noch andere bildfer dazu würde mich freuen wär eine grosse hilfe für mich

lg
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Grundlegendes zur Verpaarung und Aufzucht von Betta Spl.
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