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 Nitrit im Aquarium Teil 2

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Ingo

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BeitragThema: Nitrit im Aquarium Teil 2   Sa 15 Sep 2007 - 0:12

Hier Teil 2.


5.) Ist der Nitritpeak voraussagbar?

M. E. nicht! Dazu ist das
Wirkungsnetz zu kompliziert. Nehmen wir beispielsweise die Beimpfung.
Ich beimpfe bei einem Neustart z. B. ein 100 L-Becken mit etwa 2 L
Filterschlamm. D. h. ich installiere eine komplette Bakterienflora aus
einem laufendem Aquarium, und nach zwei Tagen ist Nitrit < 0,1 mg/L.
Der Peak bleibt klein, verglichen mit den beiden anderen in der Grafik "Nitritpeak
bei unterschiedlicher Beimpfung".

Impfe ich hingegen mit einer kleinen Portion Mulm oder Bodengrund aus
einem laufenden Aquarium oder mit Blumentopferde (wie unsere Vorväter),
so bekomme ich einen Peak dazwischen (Grafik: normale Beimpfung). Lasse
ich mit oder ohne Absicht das Beimpfen sein, so bekomme ich unter Umständen
einen großen und lang andauernden Peak (Grafik: ohne Beimpfung)
oder auch nicht, z. B. wenn Ammonium fehlt, weil die Pflanzen es
verbraucht haben.

Wie wirken sich nun unterschiedliche Startkonzentrationen von Ammonium
aus, z. B. beim Einfahren mit kleinen Mengen Trockenfutter, bevor die
Fische eingesetzt werden? Ein Beispiel führte ich schon an, nämlich
das Fehlen von Ammonium, verursacht durch den pflanzlichen Verbrauch.
Damit fehlt eine Grundlage für die Vermehrung von Nitrosomonas und
Nitrobacter, und nach dem Besatz mit Fischen und deren Fütterung
kommt der Nitritpeak stark verspätet, denn eine leistungsfähige
Flora konnte noch nicht entstehen.

Wenn die Ammoniumkonzentration langsam ansteigt, dann kann es sein, daß
der Ammoniumpeak und der Nitritpeak nicht auftreten, weil trotz des
langsamen Wachstums der Nitrifikanten ihre Kapazität für die
Oxidation der Metaboliten ausreicht.

Die Komplexität lässt präzise Voraussagen über den
Verlauf des Nitritpeaks nicht zu. Vorsichtige Leute warten mit dem
Fischbesatz, bis das Nitrit unter 0,3 mg/L bleibt und kontrollieren ihre
Fische und auch das Wasser täglich.. Ein geeigneter Nitrittest
sollte verfügbar sein.

6.) Sondereinflüsse

Der ideale pH-Bereich für die
Nitrifikation liegt zwischen 7 und 8. Hier ist die Summe der toxischen
Wirkungen von Ammoniak und salpetriger Säure am kleinsten.

Niedrige pH-Werte (je nach Literatur unter 5 bis 7) verhindern das zügige
Einlaufen der Nitrifikation, wahrscheinlich durch Blockade der
bakteriellen Enzyme. An die Stelle von Nitrosomonas und Nitrobacter
treten andere noch langsamere Bakterienarten, so daß langfristig
doch Ammonium und Nitrit veratmet werden.

Ein weiteres möglicherweise auftretendes Problem ist die Hemmung
der Nitrobacter durch das Vorprodukt Ammonium, das ab etwa 10 mg NH

4+/L wirksam wird, wahrscheinlich im
Zusammenhang mit hohen pH-Werten. Die Oxidation von Ammonium durch
Nitrosomonas führt primär zur Bildung von salpetriger Säure,
die dann mit dem Hydrogencarbonat (HCO3-) zu
Nitrit, Wasser und CO2 reagiert. Der Verbrauch von
Hydrogencarbonat kann zum Absinken des pH führen, da sich die
Pufferwirkung der Karbonathärte erschöpft. Dadurch werden die
Enzyme von Nitrosomonas blockiert, und sie oxidieren kein Ammonium mehr.

Der niedrige pH-Wert bzw. die fehlende Karbonathärte bewirken
weiterhin, daß die ursprünglich entstehende salpetrige Säure
nicht mehr völlig in das für Nitrobacter ungiftige Nitrit
verwandelt wird. Hierdurch kann der Nitritpeak langlebig werden.

7.)Maßnahmen zur Bekämpfung des Nitritpeaks

Das
beste ist die Vorbeugung in Form einer massiven Beimpfung, wie schon
beschrieben. Außer Schlamm eignet sich noch Mulm, aber auch
reichlich Pflanzen, denn die Nitrifikanten sind überwiegend Bildner
von Biofilmen und sitzen auch auf den Pflanzen. Gut geeignet ist ein
eingefahrener Filter. Ziemlich gut ist viel Bodengrund oder Mulm aus
einem laufenden Aquarium. Jede andere Beimpfung ist besser als nichts.
Mit Starterpräparaten habe ich keine Erfahrung und enthalte mich
einer Wertung. Allerdings ist Aquarienwasser zum Impfen nicht immer
geeignet, da es ausgesprochen keimarm sein kann.

Da bei der Ammoniumoxidation Säure entsteht, sollte etwas Karbonathärte
vorgehalten sowie der pH kontrolliert werden, ob er mindestens über
6 ist. Bei Aquarien mit weichem sauren Wasser muß man u. U. mit
langen Einlaufzeiten rechnen.

Zur Beschleunigung der Besiedlung mit Nitrifikanten sollte etwas gefüttert
werden. Spätestens beim Überschreiten von 0,3 mg NO

2-/L sollte bei Anwesenheit von Fischen das Füttern
gestoppt und das Nitrit durch teilweisen Wasserwechsel gesenkt werden.
Die Fische sollten ausquartiert werden, bis das Nitrit beseitigt ist,
oder noch besser, mit dem Besatz sollte gewartet werden, bis die
Besiedlung mit Nitrifikanten geschehen ist!

Trotzdem ist die Phase nach dem Fischbesatz kritisch, weil die Kapazität
der Nitrifikanten nicht bekannt ist!

8.) Sonderproblem Zuchtschale

Hobby-Fischzüchter
ziehen häufig in kleinen Gefäßen große Mengen von
Fischlarven heran, mit massiver Fütterung, häufig ohne Filter,
ohne Bodengrund, ohne Pflanzen. Wenn man diese Gefäße nicht
regelmäßig und gründlich reinigt, wächst auf den
inneren Oberflächen ein Biofilm aus Nitrosomonas heran, der täglich
leistungsfähiger wird und innerhalb von etwa 4-6 Tagen eine solche
Leistungsfähigkeit erreicht, daß die Fischlarven an
Nitritvergiftung sterben. Pflanzen, Filter, Bodengrund und Dekoration
verschärfen das Problem, weil die Nitrifikanten ganz ausgeprägt
Biofilme bilden und praktisch nicht im freien Wasser vorkommen. Mit dem
Wasserwechsel entfernt man zwar Ammonium und Nitrit, aber nicht die
Bakterien des Biofilms. Bei der starken Belastung der kleinen Gefäße
mit Futter ist Ammonium schnell wieder da, und der Biofilm aus
Nitrosomonas verwandelt es in Nitrit, das auf mehrere mg/L steigt und
wegen seiner Hemmwirkung auf Nitrobacter die Weiterreaktion zum relativ
harmlosen Nitrat blockiert. Entfernt man diesen Biofilm mechanisch, so
entsteht praktisch kein Nitrit, denn das Ammonium wird innerhalb von
Tagesfrist nicht oxidiert (siehe Grafik "Ammonium-Atmung").
Diese Reinigung muß häufig und regelmäßig ausgeführt
werden, um der Nitritentstehung vorzubeugen, und um die kleinen Fische
am Leben zu erhalten.

Verfasser: Dr. Gerd Kasselbeer
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http://www.honey-betta.de
toni_b

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Anmeldedatum : 26.08.07

BeitragThema: Re: Nitrit im Aquarium Teil 2   Mo 17 Sep 2007 - 17:27

Vielen dank für den Nitritpeak Beitrag ingo.Er ist sehr hilfreich.Bei mir beträgt der Nitrit ungefähr 5mg/L.Er ist ziemlich hoch.

mfg Toni
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