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 Grundlegendes in der Haltung von Hochzucht Betta Splendens

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ursula
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BeitragThema: Grundlegendes in der Haltung von Hochzucht Betta Splendens   So 3 Dez 2006 - 20:52

Betta Splendens: Herkunft, natürlicher Lebensraum, Sozialverhalten, Haltung in Aquarien, Ernährung

Betta Splendens sind in ihrer Wildform rotblaue Fische mit kurzen Flossen, kommen aber in der Hochzuchtvariante in allen möglichen Farben und Flossenformen vor und haben die Herzen von Aquarianern in aller Welt erobert.
Ihr ursprünglicher Lebensraum befindet sich in asiatischen Ländern, wie Thailand, Indonesien, Kambodscha, Vietnam und Malaysien, wo sie in stehenden kleinen Gewässern, z.B.: Tümpeln, Reisfeldern, Sumpf- und Moorwäldern leben.
Ihr Sozialverhalten ist innerartlich äußerst aggressiv und stark revierbildend. Männchen sind strikte Einzelgänger und beanspruchen ein durchschnittlich 40-50cm großes Revier für sich alleine. Weibchen hingegen haben kleinere Reviere, in etwa 20-30cm und sind zumeist ebenfalls Einzelgängerinnen. Manchmal hingegen kommt es vor, dass sich Weibchen – zumeist Geschwister - zu Kleinstgruppen zusammenschließen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es eine strenge Hierarchie, die mitunter auch sehr kämpferisch festgelegt wird. Ein dauerhaftes Zusammenleben von Männchen und Weibchen kommt bei Betta Splendens im natürlichen Lebensraum offenbar nicht vor.
Insofern ist auch die landläufige Empfehlung der Haremshaltung in unseren Aquarien kritisch zu hinterfragen, da es, wie man mittlerweile weiß, eine eigentlich artfremde, unnatürliche Haltungsempfehlung darstellt. Männchen und Weibchen dulden sich ausschließlich zur Paarung sowie zumeist in den ersten Tagen der Nestpflege/Aufzucht. Hier verteidigt das Männchen den zentralen Raum um das Nest, während das Weibchen die Außenverteidigung übernimmt. Danach löst sich die temporäre Gemeinschaft wieder auf. Eine gemeinsame Dauerhaltung bedeutet für die Tiere eigentlich Dauerstress und kann somit zu etwaigen Krankheiten und sogar verkürzter Lebensdauer führen.

Hochzucht – Betta Splendens variieren in der Körpergröße zwischen 4 und 7cm, wobei das Männchen in der Regel größer als das Weibchen ist. Einzig eine neuere Zuchtform, die so genannten „Giants“ sprengen diese Größenangaben. Geschlechtsunterschiede sind an folgenden Merkmalen erkennbar: Weibchen haben zwischen den Ventralen (Brustflossen) eine deutlich ausgeprägte Laichpapille (ein weißer deutlich sichtbarer Knubbel), sind zudem am zumeist vorhandenen Laichansatz erkennbar und weisen in der Regel ein etwas spitzeres Maul auf als Männchen. Letztere hingegen haben eine oft bulligere Körperform und flachere Mäuler, und natürliche keine Laichpapille (wenn auch einen winzig kleinen weißen Punkt an der gleichen Stelle wie Weibchen) und keinen Laichansatz. Außer bei kurzflossigen Züchtungen (Plakats) und Jungfischen sind die Flossen der Hochzucht Betta Splendens länger und fülliger.

Betta Splendens zählen zur Fischgruppe der Labyrinther, die zusätzlich zur Kiemenatmung auch atmosphärische Luft benötigen. Diese Besonderheit macht das so genannte Labyrinthorgan möglich, das sich oberhalb der Kiemen in der Labyrinthhöhle befindet. Kann ein Labyrinther nicht an die Wasseroberfläche gelangen und Luft einatmen, würde er binnen recht kurzer Zeit ertrinken.

Betta Splendens sind in der Haltung, aufgrund ihres Sozialverhaltens, ihres natürlichen Lebensraumes und ihrer Biologie nicht sehr aufwendig zu pflegen, wenn man ein paar grundlegende Richtlinien beachtet. Männchen sollten immer alleine gehalten werden und auch keinen dauerhaften Sichtkontakt zu Artgenossen haben. Für Weibchen gilt im Prinzip das gleiche, außer es handelt sich um eine kleine Gruppe Schwestern, die in ausreichend großen Aquarien (siehe Reviergrößen) auch mitunter gemeinsam gehalten werden können. Beide Geschlechter zusammen, sollten sich nur zur Paarung in einem Aquarium kurzfristig aufhalten.Generell wird das Weibchen nach der Paarung wieder in ihr eigenes Becken zurückgesetzt und das Männchen nach der Brutpflege, sobald die Jungfische frei schwimmen können in sein Stammbecken zurückgegeben.

Haltungsbecken (im Unterschied zu Zuchtbecken) sollten für Männchen ausreichend Platz für ein natürliches Revier bieten also in etwa 40-50cm Kantenlänge, um eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, gesetzlich ist eine Mindestkantenlänge von 60cm vorgeschrieben. Allerdings wird im Gesetz der starken Revierbildung der Bettas nicht ganz zur Genüge Rechnung getragen, die 60cm Kantenlänge bezieht sich auf eine (veraltete) Haremshaltungsannahme, also 1m und 2w und trägt damit den Revieransprüchen der Fische nicht Rechnung (40cm für m, je 20cm für w – ergäbe also eine netto Kantenlänge von 80cm für besagten Harem, inklusive erforderlichen Pufferzonen zwischen den Revieren somit mindestens 100cm – nichts desto trotz funktioniert die Haremshaltung auch auf 100cm nur in den seltensten Fällen und ist daher meiner Meinung nach nicht zu empfehlen). Für stark revierbildende Fische, die Einzelhaltung erforderlich machen, ist ein entsprechend ihrer Reviergröße angemessenes Aquarium laut Gesetz erforderlich.
Die Gestaltung der Haltungsbecken sollte nach Möglichkeit dem natürlichen Lebensraum angeglichen werden, also dichte Bepflanzung bis zur Wasseroberfläche reichend, Schwimmpflanzen, dunkler Bodengrund, idealerweise 25-28°C, wenig Strömung, Abdeckung der Aquarien (Bettas sind gute Springer), pH 6-8, GH 0-15.

Die Vergesellschaftung von Betta Splendens ist nicht ganz einfach. Idealerweise sollte man direkt in ihre Reviere, die vor allem eher an der Wasseroberfläche fixiert sind, keine zusätzlichen Fische einsetzen. Insofern bieten sich hauptsächlich friedliche, am Boden lebende Fische an, wie z.B. Corydoras, Ancistren, div. L-Welse, Dornaugen, aber auch friedliche Wirbellose wie Schnecken und Amanogarnelen (sofern sie ausgewachsen sind, ansonsten besteht die Gefahr, dass sie zu Lebendfutter für den Betta werden). Generell ist in der Vergesellschaftung Stress, Hektik oder gar physische Gefährdung für den Betta zu vermeiden. Ein Betta selbst wird Beifische kaum angreifen, es sei denn die physische Erscheinung gleicht einem männlichen Rivalen z.B. die viel zitierten langflossigen Formen der Guppys.
Vergesellschaftet man seinen Betta, sind natürlich die erforderlichen Beckengrößen entsprechend anzupassen – die weitere Auswahl entsprechend der artgemäßen Anforderungen der Beifische sei vorausgesetzt.

Die Ernährung von Betta Splendens sollte möglichst abwechslungsreiches Lebend-, Frost-, und kann ab und an auch Granulatfutter bieten. Hier bieten sich z.B. folgende Sorten besonders an: Weiße, schwarze Mückenlarven, Artemia, Daphnien. Nachdem vor allem rote Mückenlarven und Tubifex in letzter Zeit in der Aquaristik in Verruf geraten sind, da sie im Verdacht stehen Krankheiten zu übertragen, empfehle ich sie hier vorerst nicht, solange die Vermutung weiterhin besteht.

LG & viel Erfolg mit Euren Bettas!
Ursula
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