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 Teil I: Alles über Betta Splendens - Joep van Esch

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ursula
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BeitragThema: Teil I: Alles über Betta Splendens - Joep van Esch   Mo 12 Feb 2007 - 11:14

Alles über Betta Splendens


Autor & Copyright: Joep van Esch


  • Abkürzungen
Hier findet ihr einige häufig verwendete Abkürzungen in diesem Hobby:

BBS Baby Brine Shrimp (frisch geschlüpfte Artemianauplien)
BF Butterfly
BT Betta Territory
CT Crowntail
D Delta
DNA Desoxyribonukleinsäure
DDR Double-double-ray
DR Double-ray
DT Doubletail
HM Halfmoon
MG Mustard gas
oHM Over-Halfmoon
PK Plakat
SD Superdelta
RT Roundtail
VT Veiltail

  • Anatomie
Männchen - Betta splendens (von der Seite):
Dorsal fin Dorsale
Pectoral fin Pectorale
Gill cover (beard) Kiemendeckel
Anal fin Anale
Caudal fin Caudale


Weibchen - Betta splendens (von der Seite)
Eye Auge
Ovipositor/egg tube Laichpapille
Ventral Fins Ventralen
Mouth Maul


Männchen - Betta splendens (Vorderansicht)



  • Terminologie in der Genetik

Wenn man Bettas züchten möchte, kann es recht hilfreich sein, Grundlegendes in der Genetik zu wissen. Eine Sache, die dabei sehr wichtig ist, ist die verwendete Terminologie zu verstehen. In diesem Beitrag, werde ich versuchen einige Fakten zu erklären und das Basiswissen insofern abzudecken, als es notwendig ist, um die Genetik von Bettas in vereinfachter Weise zu verstehen. [1,2,3].

DNA: Desoxyribonukleinsäure, das Erbmaterial eines Organismus.

Gene: Die Erbeinheiten, die die Erbinformationen der Eltern an die Nachkommen übermitteln.

Chromosome: Eine lange, schnurförmige Kette von Genen im Kern aller Eukaryoten, die während der Meiose und Mitose sichtbar sind. Ein Chromosom besteht aus der DNA und Proteinen. Ein Organismus hat immer 2 Chromosome, d.h. daß Chromosome immer paarweise vorkommen.

Genotyp: Das ist das genetische Erscheinungsbild eines Organismus.

Phänotyp: Das bezeichnet das physische und physiologische Erscheinungsbild eines Organismus. Dieses wird vom genetischen Erscheinungsbild (Gene) und der Umgebung beeinflußt.

Allel: Ein anderer Ausdruck für Gen. Jedes Chromosom hat eine Kopie dieses Allel, also ein Gen-Paar.

Homozygot: Dieser Ausdruck weist darauf hin, daß ein Organismus zwei identische Allele an einem bestimmten Platz am Chromosom hat. Das hat zur Folge, daß ein Organismus ein Merkmal immer rein vererbt.

Heterozygot: Dieser Ausdruck weist darauf hin, daß ein Organismus zwei unterschiedliche Kopien eines Gens auf jedem einzelnen Chromosom hat.

Dominantes Gen: In einem Heterozygoten ist dieses Allel (Gen) vollständig phänotypisch sichtbar. In Genetik-Graphiken werden solche Gene immer mit Großbuchstaben angegeben.

Rezessives Gen: In einem Heterozygoten ist dieses Gen phänotypisch unsichtbar. In Genetik-Graphiken werden diese Gene immer mit Kleinbuchstaben angegeben.

Intermediäres Gen: In einem Heterozygoten ist dieses Allel (Gen) phänotypisch teilweise sichtbar. Man kann bereits einige der Charakteristika des Gens sehen.
Die Gene von Crowtails und Doubletails geben dafür ein gutes Beispiel ab.
- Fische mit nur einer Kopie des Crowntails (ct) Gens, zeigen (zumeist) bereits einige Flossenstrahlenverlängerungen.
- Fische mit nur einer Kopie des Doubletail (dt) Gens, zeigen (zumeist) bereits eine breitere Dorsale und fülligere Flossen.


  • Wie bezeichnet man die unterschiedlichen Generationen?

Wenn zwei nicht miteinander verwandte Elterntiere (P) miteinander verpaart werden, wird ihr hybrider Nachwuchs als F1 Generation bezeichnet (erste Filialgeneration).
Wenn nun die F1 Generation miteinander verpaart wird, nennt man deren Nachkommen die F2 Generation (zweite Filialgeneration).
Wenn die F2 Generation miteinander verpaart wird, nennt man deren Nachkommen F3 Generation (dritte Filialgeneration).
Und so weiter.....

Als Beispiel, um das zu verdeutlichen, könnte man nun das Allel für die Vererbung der Haarfarbe beim Menschen verwenden:

Braunes Haar vererbt sich dominant. Wie ist es möglich, daß braunhaarige Eltern eine/n blonde/n Sohn/Tochter bekommen?
Das Allel für "braunes Haar" ist dominant und mit einem "B" bezeichnet.
Das Allel für "blondes haar" ist rezessiv und mit einem "b" bezeichnet.
Die Frage kann folgendermaßen beantwortet werden: Allele kommen nur paarweise vor. Die Eltern müssen Heterozygoten sein betreffend des Allels für die Haarfarbe. Das bedeutet, daß beide Elternteile, die rezessiven Allele für blondes Haar ("b") genauso haben müssen, wie die dominanten Allele für braunes Haar ("B"), also "Bb". Die beste Art dies zu veranschaulichen, ist die Darstellung dessen in einem Punnet'schen Quadrat:


Zusammenfassung:
Die Nachkommen von zwei Elternteilen, die beide den heterozygoten "Bb" Genotypus in sich tragen, können folgendermaßen aussehen: 25% homozygot für braunes Haar ("BB"), 50% heterozygot für braunes Haar ("Bb") und 25% homozygot für blondes Haar ("bb").


  • Inbreeding, Linebreeding und Outcrossing*

*(Anm. d. Ü: am ehesten mit Inzucht, Linienzucht und Einkreuzung eines anderen Fisches zu übersetzen. In der Betta-Zucht werden allerdings dafür die englischen Ausdrücke zumeist auch im Deutschen verwendet, daher belasse ich die englischen Ausdrücke im weiteren Verlauf des Textes)

Um qualitativ hochwertige Betta Splendens zu züchten, werden verschiedene Zuchtmethoden verwendet. Inbreeding, Linebreeding und Outcrossing spielen dabei eine wichtige Rolle, um eine gute Betta Splendens Linie zu züchten.

Inbreeding:

Ein systematisches Zuchtprogramm bei dem mit jeweils engverwandten Tieren gezüchtet wird. Damit meint man generell Vater-Tochter, Mutter-Sohn und Geschwister-Verpaarungen.

Linebreeding:

Dieser Ausdruck wird für ein weniger intensives Inbreeding-Zuchtprogramm verwendet. Er bezeichnet Verpaarungen nahe verwandter Zuchttiere wie Onkel-Nichte und Halbbruder-Halbschwester.

Outcrossing:

Der Ausdruck bezeichnet die Verpaarung zweier nicht miteinander verwandter Zuchttiere (die wiederum mit Inbreeding gezüchtet wurden).

Was bewirkt Inbreeding im genetischen Sinn?

Inbreeding erhöht die Wahrscheinlichkeit, daß jedes beliebige Gen zwei identische Kopien vom jeweils unmittelbaren Vorfahren bekommt. Durch Inbreeding werden Gene mehr und mehr homozygot. Zur Erinnerung: Jedes Tier hat 2 Kopien eines Gens (im technischen Sinne, 2 Allelen an jedem Punkt des Chromosoms), eine von jedem Elternteil. Leider kann man unmöglich nur die erwünschten Gene selektieren, da es sie immer nur im Paket gibt.....

Einen Umstand, den man nicht vergessen darf, wenn man versucht bestimmte Merkmale mit Inbreeding zu fixieren, ist, daß auch die Möglichkeit besteht, im Verlauf einige erwünschte ("gute") Merkmale unabsichtlich zu verlieren und statt dessen einige unerwünschte ("schlechte") Merkmale auftauchen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die mit Inbreeding gezüchteten Linien von Labor-Nagetieren. Die Methode des Inbreedings, die für sie verwendet wird, eliminiert die überwiegende Anzahl der Merkmale zwischen der 8. und 12. Generation, da ein Verlust der Fertilität (reduzierte Wurfgrößen) und Entwicklungsfähigkeit bzw. Lebensfähigkeit eintritt. Die Merkmale, die über die 8. - 12. Generation erhalten bleiben, bilden die typischen Merkmale der Labortiere. Diese sind homozygot, wegen einer mehr oder weniger randomisierten Selektion der Gene der ursprünglichen Elterntiere.

Warum Outcrossing?
Wie anhand des obigen Beispiels der Labor-Nagetiere gezeigt wurde, kann man die Methode des Inbreedings bis zur F8 (8. Generation) anwenden. Zu diesem Zeitpunkt ist der Zuchterfolg zumeist gering geworden.

Umgelegt auf die Zucht von Betta splendens zeigt dieses Beispiel, daß mit extensivem Inbreeding auch Fische mit eine ganze Reihe von unerwünschten Merkmalen auftreten können: z.B.: zu kleine Körper, reduzierte Entwicklungs- bzw. Lebensfähigkeit, reduzierte Aggressivität, reduzierte Fertilität, es werden keine Schaumnester gebaut, Fische, die nicht wissen wie sich das Weibchen umschlingen sollen, etc. Deshalb ist es empfehlenswert ab und an einen Outcross vorzunehmen (mit einem nichtverwandten Partner, fisches Blut), um die Linie gesund und lebensfähig zu erhalten.

Bei der Auswahl des einzukreuzenden Kandidaten, muss der Züchter immer entscheiden, welcher Kandidat diejenigen erwünschten Merkmale besitzt, die die etablierte Linie noch verbessern könnten. Natürlich birgt Outcrossing auch Risiken mit sich, da der Züchter den bisher gezüchteten Typus von Betta auf lange Zeit wiederum verlieren kann. Züchter entscheiden sich oft dafür, die hybriden Nachkommen einer Outcrossing Verpaarung, wiederum mit Fischen ihrer eigenen Linie rückzukreuzen. Das geschieht, um die neuerworbenen bzw. verbesserten Merkmale durch den Outcross mit dem fremden Fisch in die eigene Linie miteinzubringen, aber auch um die möglicherweise schlechten Merkmale die durch den fremden Fisch in die Linie gebracht wurden, wiederum zu eliminieren.

Literatur:
1. Campbell, N.A., “Biology”, Fourth edition, The Benjamin/Cummings Publishing Company, Inc., ISBN 0-8053-1940-9
2. Zakwoordenboek der Geneeskunde, 25ste geheel herziene druk, Elsevier/Koninklijke PBNA, ISBN 90-6228-255-5
3. Betta Bunnies genetic page

Mit freundlicher Genehmingung von:
Copyright Betta Territory ©
The Netherlands

Übersetzung: Ursula
Die Originalversion kann hier nachgelesen werden: www.bettaterritory.nl



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Zuletzt von am Di 4 Sep 2007 - 8:37 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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Tigrrr

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BeitragThema: Re: Teil I: Alles über Betta Splendens - Joep van Esch   Mo 12 Feb 2007 - 15:57

hi,
danke für die Übersetzung! Die ganze Terminologie ist schon schwierig genug.

Ich freue mich auf weitere Teile!

LG Kim
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Ingo

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BeitragThema: Re: Teil I: Alles über Betta Splendens - Joep van Esch   Di 13 Feb 2007 - 1:46

Hi Ursula, na jetzt kommt mal Leben hier rein, echt gute Sache das von Joep. Für viele die manche Begriffe schön gehört aber nie wussten was ist das überhaupt und was bedeutet das --ne super Sache und ein dickes Lob zwecks der Übersetzung Wink

Viele Grüsse
Ingo
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BeitragThema: Re: Teil I: Alles über Betta Splendens - Joep van Esch   Di 13 Feb 2007 - 20:26

Na da es Teil 1 heißt, denke ich mal, das noch ein Teil 2 kommt aber vorher, wenn zu diesem Beitrag von Joep noch irgendwelche Fragen anstehen sollten dann her damit ...wir können versuchen diese dann gemeinsam zu klären...
Und immer daran denken, keine Frage ist Dumm Wink ---
sunny
Viele Grüsse
Ingo
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ursula
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BeitragThema: Re: Teil I: Alles über Betta Splendens - Joep van Esch   Di 13 Feb 2007 - 20:53

Hallo!
Ja Teil 2 kommt bestimmt bald, aber dazu muß dann wieder ein Wochenende her, wo ich dann auch die Zeit habe, unter der Woche ist das alles ein bißchen schwierig leider.
Und natürlich kann/soll man hier alle Fragen loswerden, die sich so ergeben - erst in der Diskussion wird so ein Artikel erst richtig spannend!
Also bitte, wer mag - nur her damit ;-)
LG Ursula

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